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Wirtschaft

Stand: März 2018

Wirtschaftslage und -Struktur

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und mit Südafrika eine der beiden größten Volkswirtschaften des Kontinents. Nigeria verfügt über sehr große Öl- und Gasvorkommen, und konnte noch bis vor einigen Jahren auch dank verschiedener Reformen ein hohes einstelliges Wirtschaftswachstum verzeichnen. Wegen sinkender Öleinnahmen (zeitweiser Ölpreisverfall und Reduzierung der Ölfördermenge durch Anschläge auf Ölförderanlagen und Pipelines im Nigerdelta) befand sich die nigerianische Wirtschaft in einer schwierigen Lage. Zurzeit erholt sich Nigeria allerdings von einer Rezession (2016 Negativwachstum von etwa - 1,5 Prozent).  Für das Jahr 2018 wird eine Wachstumsprognose von über 2% vorhergesagt, während es 2017 insgesamt nur 0,8 Prozent waren. Seit dem Beginn der Ölförderung in Nigeria in den 1960er Jahren dominierten die Öleinnahmen die Wirtschaftsstruktur. Derzeit werden knapp zwei Millionen Barrel pro Tag gefördert.

Weiterhin gelten folgende Herausforderungen: 

  • Die weitgehende Abhängigkeit von Öleinnahmen besteht fort.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt weiterhin in extremer Armut (weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag). Die Arbeitslosigkeit, vor allem in der jungen Bevölkerung, ist hoch.
  • Die Lage im Nigerdelta hat sich seit November 2016 wieder beruhigt, ist noch nicht vollständig stabil bleibt aber volatil; die Bedrohung der dort angesiedelten Öl- und Gasförderung durch militante Gruppen und Piraten bleibt ein Risiko ebenso wie die Verschlechterung der ökologischen Grundlagen der Region.
  • Terrorakte der islamistischen Gruppierung "Boko Haram" im Nordosten Nigerias stellen weiterhin ein Sicherheitsproblem dar, auch die Auseinandersetzungen zwischen nomadisierenden Hirten und sesshaften Bauern in Zentralnigeria.
  • Die Infrastruktur, vor allem im Bereich Stromversorgung und Transport, ist weiterhin mangelhaft und gilt als ein Haupthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung.
  • Korruption und schleppende Verwaltung bleiben trotz Reformanstrengungen der Regierung problematisch für die Entfaltung einer dynamischeren Wirtschaftsentwicklung. Die Regierung Nigerias hat den notwendigen Kampf gegen Korruption zu einem Teil ihrer Wirtschaftspolitik erklärt. Geordnete Verfahren bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und die Schaffung größerer Transparenz bei den Einnahmen im Öl- und Gasgeschäft sind Teile dieser Bestrebungen. Nigeria konnte 2017 auch eine signifikante Verbesserung im „Ease of Doing Business“ Ranking der Weltbank verzeichnen (Platz 145 von 190 und damit eine Verbesserung um 24 Punkte).
  • Die unterentwickelte Landwirtschaft ist weiter nicht in der Lage, den inländischen Nahrungsmittelbedarf zu decken.
  • Aufgrund immer noch zu geringer inländischer Raffineriekapazitäten kommt es regelmäßig zu Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoffen.

Die Regierung von Staatspräsident Buhari widmet sich den Defiziten auf der Einnahmenseite, um die weiterhin bestehende Abhängigkeit von Öleinnahmen zu mindern. Eine Erhöhung der Steuereinnahmen wird angestrebt sowie Rückführung von Geldern, die Mitglieder der Vorgängerregierung illegal ins Ausland verbracht haben. Die Subventionierung des Benzinpreises wurde zwischenzeitlich beendet. 

Haushalts- und Währungspolitik 

Der Haushaltsentwurf für 2018 geht wie die Budgets der Vorjahre von einem 30-prozentigen Defizit aus.

Die nach dem Rückgang der Einnahmen aus der Ölförderung eingetretene Devisenknappheit führte seit 2015 zu Devisenbeschränkungen. 

Der Versuch der Zentralbank, die wegen der gesunkenen Öleinnahmen und des Importüberhangs Nigerias unter Druck geratene Festanbindung der Landeswährung Naira gegenüber dem US-Dollar zu stützen, musste im Juni 2016 wegen eines abrupten Abschmelzens der Währungsreserven aufgegeben werden. Seitdem ist der Wechselkurs teilweise freigegeben, was zu verschiedenen Wechselkursen geführt hat. Dies und die stark eingeschränkte Verfügbarkeit von Devisen hat das Wirtschaftstreiben stark beeinträchtigt. Z.B. war der Import von Ersatzteilen häufig unmöglich, aber auch die Preisentwicklung für Angebote  oder die Verbringung von Gewinnen ins Ausland schwierig.  

Dank höherem Ölpreis, gestiegener Produktion und einer erneuten Justierung der Devisenpolitik durch die Zentralbank im Februar 2017 sind die Devisenreserven bis Ende 2017 wieder auf rund 40 Milliarden US-Dollar angewachsen. Die unterschiedlichen Kurse des Naira nähern sich an. Devisen sind wieder relativ problemlos verfügbar. Und im sog. Export-Import-Fenster ist der Wechselkurs freigegeben, was zur Planungssicherheit für die Wirtschaft beiträgt.

Wichtigste Wirtschaftszweige 

Die Ölproduktion ist und bleibt trotz der gesunkenen Ölpreise der wichtigste Wirtschaftszweig  Nigerias. Die tägliche Fördermenge liegt bei ca 2 Mio Fass/Tag, schwankt aber aufgrund von illegalen Abzweigungen und mangelhafter Wartung leicht. Eine notwendige, umfassende Reform des staatlichen Ölsektors wird seit Jahren angestrebt, konnte aber aufgrund fehlender Einigung zwischen Regierung und Parlament bislang nicht realisiert werden.

Die Regierung beabsichtigt, die seit 40 Jahren bestehende Praxis der Abfackelung des bei der Ölförderung anfallenden Erdgases zu beenden und hat diese Zusage anlässlich der Weltklimakonferenz im Dezember 2015 in Paris erneuert. Die ursprüngliche Frist (Ende 2008) konnte nicht eingehalten werden. Es ist eine erhebliche Ausweitung der Elektrifizierung und der Förderung von Gas und seiner Umwandlung zu Flüssiggas geplant. Eine Westafrika-Pipeline nach Ghana wurde gebaut, die den westafrikanischen Markt für nigerianisches Erdgas erschließen soll. Des Weiteren ist eine Trans-Sahara-Pipeline über Niger nach Algerien geplant, um den europäischen Markt zu versorgen. Die Gaswirtschaft ist dabei, sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Nigeria zu entwickeln, obgleich die Entwicklung mit vielen Verzögerungen behaftet ist. 

Der Reichtum Nigerias ist das Öl, doch über 60 Prozent der Nigerianer sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In ländlichen Gegenden beträgt der Anteil über 90 Prozent. Über 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion kommt von kleinen Anbauflächen – in der Regel in Subsistenzwirtschaft – mit Größen von einem bis fünf Hektar. Der Agrarsektor macht rund 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und wird durch die Regierung Buhari stark gefördert (Wettbewerbsvorteile auch durch währungsbedingte Verteuerung der landwirtschaftlichen Importe). Dabei ist das Potenzial der nigerianischen Landwirtschaft bei Weitem nicht ausgeschöpft. Nigeria ist Afrikas größter Yams- und Augenbohnenproduzent und der weltweit größte Produzent von Maniok (Kassava) und mittlerweile viertgrößter Kakaoproduzent (Tendenz steigend). Auch die Mais- und Reisproduktion wurde - durch Einwirken der Regierung - kräftig ausgeweitet. 

Der Bankensektor war in den letzten Jahren einer der Wachstumsmotoren der nigerianischen Wirtschaft. Der Telekommunikationssektor ist der zweite Sektor, in dem die Reformpolitik zu Erfolgen geführt hat. Nigeria verfügt über rund 167 Millionen Mobiltelefone.

Außenwirtschaft 

Da Nigeria in erster Linie Rohöl exportiert, ist die Handelsbilanz stark von der Entwicklung des Ölpreises abhängig. 

Zu den wichtigsten Handelspartnern zählen China, USA, Indien, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (vor allem Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland), Brasilien und Südafrika. China bleibt an der Spitze der Herkunftsländer von Importen nach Nigeria. Inzwischen hat Indien die USA als Hauptabnehmer des nigerianischen Erdöls abgelöst. 

Etwa 85 deutsche Unternehmen sind in Nigeria aktiv. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nigeria betrug 2016 ca. 2,2 Milliarden EUR (2014: 5,4 Milliarden EUR, 2015: 2,9 Milliarden EUR). Damit ist Nigeria nach Südafrika immer noch zweitwichtigster Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Exportiert wurden aus Deutschland 2016 Güter im Wert von rd. 0,8 Milliarden EUR (2015: 1 Milliarde EUR), v.a. Maschinen, Fahrzeuge sowie chemische Erzeugnisse. Der Wert der deutschen Importe (v.a. Rohöl) sank 2016 auf 1,4 Milliarden EUR (2014: 3,95 Milliarden EUR; 2015: 1,9 Milliarden EUR), was v.a. dem Preisrückgang beim Rohöl geschuldet ist.

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